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Willkommen umweltbewusste Umweltsünder: Ein Weckruf für Angesprochene... und mich!

Aktualisiert: 13. Mai 2019





Zugegebenermaßen eine etwas provozierende Vorstellung eines Blogs, aber manchmal ist es genau das, was sich keiner traut auszusprechen, was uns am ehesten beschreibt und auch wachrüttelt... so war es zumindest bei mir als ich den Ausdruck des "umweltbewussten Umweltsünders" gehört habe. Und ja, dieser Blog soll ein Teil meiner unvermeidbaren Umweltsünden wieder gut machen, in dem ich über einige Themen im Bereich unserer Umwelt und insbesondere in der Region Deutschland aufklären, laut nachdenken oder mich einfach nur öffentlich auslassen möchte. Ich wünsche schon jetzt viel Spaß beim Lesen, aber auch beim Kommentieren und hoffe auf einen regen Gedankenaustausch!

Ein Grund für die Existenz dieses Blogs stellt tatsächlich ein einfacher Rückflug mit einer "Billig"-Airline von Teneriffa nach München dar, bei dem meine Freundin Lena und ich uns für ein warmes, extra zu bezahlendes (was sonst) Gericht entschieden haben und uns nach dem Essen vor einem Berg an Plastik- und Papiermüll wiedergefunden haben. Es war Qual und Segen zugleich, dass es gefühlt ewig gedauert hat, bis der erlösende Abräumprozess der Belegschaft begonnen wurde, denn immerhin war das der Auslöser für eine folgenreiche Müll-Diskussion.

Was ist nun das Problem dieser bescheidenen Einleitung? Die Tatsache, dass wir eine "Billig"-Airline genommen haben, oder doch der nervige Berg an Abfall, der das Resultat eines bescheidenen Wunsches nach einem Essen über den Wolken war. Die Antwort ist nach tiefgehender "Pärchen"-Diskussion im Laufe der verl(i)ebten Flugstunden mit viel Geduld und näherer Betrachtung klar: BEIDES !

Ausschlaggebend für diese Erklärung war jedoch eine ins Gedächtnis gerufene Bezeichnung für eine Gruppe von Menschen, die von Lena ins Gespräch geworfen wurde, die sogenannten "umweltbewussten Umweltsünder"*, die tatsächlich trotz (oder vielleicht gerade durch) mündlicher Fehlüberlieferung eine perfekte Beschreibung dessen darstellt, was ich bisher nicht in passende Worte fassen konnte und was MICH am ehesten in meiner Wahrnehmung und meinem Bezug zu unserer Umwelt beschreibt: Nämlich als jemanden, der sich sehr gut bewusst darüber ist, welche negativen Beiträge er für die Umwelt leistet, aber auch, welche Wege ihm offen stünden um ihm sein Gewissen wieder frei zu kaufen:

Beispiel-Szenario: Legt einfach mal ein paar Bio-Artikel in den Tragekorb beim nächsten Besuch Eures Tante Emma Ladens des Vertrauens. Es wird euch zwar fast unerträglich mehr kosten, ABER den Tieren soll es wohl besser ergangen sein, die Veterinäre wurden weniger beansprucht, die Gen-Forschung ist auch NICHT erwähnt und ein grünes Siegel ist auch noch drauf....Also erstmal alles richtig gemacht nach eingehender Betrachtung meines Umwelteinflusses der vergangenen Woche, inkl. des Müll-dominierten Flugerlebnisses! Aber wo liegt jetzt der Zusammenhang zwischen Billig-Flug, Müllberg und einem Korb voll Bio-Aufschnitt? Ganz einfach: Sie verhalten sich alle wie das Yin und Yang zueinander und spielen sich zu großen Teilen in unseren Köpfen...also zumindest meinem Kopf ab, sind aber für unsere Umwelt total unterschiedlich zu werten.

Das Engagement von Veterinären oder Gen-Forschern stellen m.M.n. per se KEINEN ausschließlich negativen Einfluss auf unsere Umwelt dar, aber unsere Wahrnehmung durch Unwissenheit in den beiden fachspezifischen Gebieten lassen uns bzw. mich das zumindest glauben. (Memo an mich selbst: Beides Recherchieren und Bloggen) Die Lebensqualität unserer Lebensmittel-Tiere ist uns vermutlich deswegen so wichtig, weil wir unseren "angestrebten" Lebensstandard wenigsten auf unsere Nahrung übertragen möchten, wenn wir ihn schon nicht konsequent selbst einhalten können. Und wenn wir keine Zeit haben und deswegen einen Fast-Food-Burger essen MÜSSEN, dann wissen wir ja sogar, dass wir den Schuldigen nicht bei uns suchen müssen. Könnte dann aber nicht vielleicht wieder das Allerheilmittel, der in PLA verpackte Bio-Aufschnitt, unseren Fast-Food-Ausrutscher zum Mittag korrigieren: Na klar tut er das! Immerhin war er doch so teuer und hatte auch so viele gewissensberuhigende Öko-Aufkleber!

Worauf ich hiermit hinaus will ist, dass wir gerne das glauben, was uns im Marketing nur ganz grob in Aussicht gestellt wird, wenn überhaupt, und wir GANZ DRINGEND unser Umweltbewusstsein mit Tatsachen und Sachverständnis ausbauen müssen, damit unser Gewissen nicht an der Bio-Aufschnitt-Wand überhand gewinnt und wir vielleicht das ein oder andere Bio-Produkt mit vollem UmweltBEWUSSTSEIN doch nicht in den Handkorb werfen. (Neues Memo an mich selbst: Etiketten dechiffrieren und Erkenntnisse bloggen)

Der eine Euro mehr für das unterschiedlich aufgedruckte Bio-Siegel auf dem Aufschnitt, dem Käse, der Limo, den von freilaufenden Hühnern gelegten Eiern oder der Salatgurke schadet uns nicht merklich, aber lässt uns mit unserem Schnäppchen-fokussierten Urlaubsverhalten bei jedem Dumpingangebot beherzt zuschlagen. Rational nicht erklärbar, da gerade diese ressourcenverschwendende Branche der Toursimusfliegerei mit Ihren Dumpingangeboten und teilweise Lehrflügen einen erheblich größeren Einfluss auf die Umwelt hat als Dinge, die wir vielleicht als subjektiv wichtig erachten.

Aber was lernen wir aus dieser verdrehten Wahrnehmung? Vielleicht, dass fünf Einkäufe mit Öko-Schweineschinken, reichlichen Bio-Rinderfilets von glücklichen Rindern und ein paar spanische Orangen im Winter einen glücklichen Urlaub zu Dumpingpreisen rechttfertigen können? Natürlich nicht, aber weiß das auch unser Gewissen? Genau das möchte ich trainieren, mit diesem Blog hier in die Welt kommunizieren und mit Faktenwissen untermalen, was bisher mit gefährlichem Halbwissen gebilligt wurde.

Und muss es denn wirklich Teneriffa über Sylvester sein oder hätte ein Racletteabend es nicht auch getan? Die Frage liest sich vielleicht wie Freiheitsberaubung, lässt aber auch das traditionelle Raclette in einem erstaunlich guten Licht erscheinen (ökologisch betrachtet) und für die einleitend-geforderte Hinterfragung unseres aktuell gelebten Ökobewusstseins definitiv zulässig.

Aber wie kam es zu dieser vielleicht zu kurz gedachten Rechtfertigung unserer Urlaube? In meinem Fall kann ich nur mit einer Gegenfrage antworten: Wer will schon seinen ersehnten Urlaub schlecht reden oder als nicht ökologisch ansehen? Ich zumindest nicht! Den haben wir uns ja alle durch das "Geld für Zeit"-Prinzip ganz klar verdient, komme was wolle! Und der nächste Bio-Produkte Einkauf ist ja auch nicht weit entfernt...

Und wie gehe ich mit dieser neuen Erkenntnis über mich selbst und meine Wahrnehmung über unsere Umwelt um und was kann/muss ich nun ändern? Kurzfristig nichts ad-hoc... mittelfristig hingegen sehe ich noch Hoffnung bei uns "umweltbewussten Umweltsündern", indem wir uns ökologisch so neujustieren, das wir unsere Ökophilosophie zwischen den Zeilen hinterfragen, bspw. was dieses niemals gleich aussehende Bio-Siegel tatsächlich und nicht nur in unserer gewissensgetriebenen Urlaubs-....äh...ich meine Öko-Wahrnehmung bedeutet. Das braucht Zeit, die ich gerne bereit bin in einer Art Selbstexperiment zu investieren, um zu sehen, ob sich meine Produktauswahl im Supermarkt oder meine Urlaubsgestaltung bewusst verändert.

*) Genau genommen ist der Begriff insofern falsch überliefert, als dass dieser von der Autorin Carolin Wahnbaeck als "umweltbewusste Klimasünder" definiert, aber genauso sinnvoll von Lena interpretiert und wiedergegeben wurde. Der Artikel "Das können Sie persönlich gegen den Klimawandel tun", ist bei Spiegel Online erschienen und kann in der Kategorie Umweltschutz nachgelesen werden.


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